Spuren jüdischen Lebens

Auf die Spuren jüdischen Lebens in Warendorf

IMG_7329begab sich die 9. Klasse des Augustin-Wibbelt-Gymnasiums im Rahmen ihres Religionsunterrichts zum Thema ´Judentum`. Rudolf Dörholt führte die Schülerinnen und Schüler zunächst zum jüdischen Friedhof an der Hugo-Spiegel-Straße und erklärte ihnen seine Geschichte: Auf diesem Friedhof wurden bis 1938 verstorbene Juden aus Warendorf, Freckenhorst, Westkirchen, Harsewinkel und Beelen beerdigt, dann erst wieder ab 1974; auch die Eltern von Paul Spiegel sind hier begraben. Paul Spiegel war bis zu seinem Tod 2006 Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und kam aus Warendorf. Der Friedhof wurde in der NS-Zeit verwüstet, die verbliebenen Grabsteine wurden 1945 wieder aufgestellt.

IMG_7336Wie sich der Umgang mit der NS-Zeit verändert und entwickelt hat, konnten die Schülerinnen und Schüler an den beiden Gedenktafeln auf und vor dem Friedhof ablesen. Die Tafel auf dem Friedhof, die bereits in den 1970er Jahren errichtet wurde, spricht von den Juden, die in den Jahren 1933-45 umgekommen sind; die neuere Glastafel vor dem Friedhof nennt die Dinge dagegen beim Namen: „Zum Gedenken an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger, die durch das nationalsozialistische Terror-Regime ermordet worden sind“.

Durch die Innenstadt ging es dann zu dem Haus, in dem früher die Warendorfer Synagoge war. Da die Zahl der Juden in Warendorf gering war, entstand kein neues Gemeindeleben; das Haus wurde verkauft und fortan als Wohnhaus genutzt.

IMG_7347Seit 1990 erinnert aber am ehemaligen Standort der Synagoge eine Stele auf der Freckenhorster Straße an die Deportation und Ermordung der Warendorfer Juden.

Rudolf Dörholt machte die Schülerinnen und Schüler auch auf die sog. Stolpersteine aufmerksam. Die Stolpersteine erinnern an Menschen, die in den Jahren 1933-1945 in Warendorf gelebt haben und Opfer des Nationalsozialismus geworden sind. Die Inschriften auf den kleinen Messingtafeln im Boden enthalten den Namen und das Schicksal der Opfer im Nationalsozialismus. Die Steine liegen meist im Bürgersteig vor dem Wohnhaus der betreffenden Person.

Auf dem Rückweg zu ihrer Schule kam die Gruppe noch am Wohnhaus einer jüdischen Familie vorbei, die – wie so viele – Hals über Kopf fliehen und alles zurücklassen musste, eben auch ihr gerade neu erbautes Haus. Allein die Vorstellung, sich von allem verabschieden, alles loslassen zu müssen, was einem wichtig, lieb und teuer ist, war den Schülerinnen und Schülern ganz schrecklich und ließ sie – wenn auch nur ansatzweise – die Verbrechen jener Zeit erahnen.IMG_7338

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