Besuch der Synagoge in Münster

Klasse 8 a und b des Augustin-Wibbelt-Gymnasiums in der Synagoge in Münster

Das Judentum ist richtliniengemäß Thema im Religionsunterricht der 8. Klasse. Nachdem die Schüler der Klassen 8a und 8b des Augustin-Wibbelt-Gymnasiums vor einigen Wochen bereits den alten jüdischen Friedhof in Warendorf besucht haben, ging es vor ein paar Tagen nach Münster, um die dortige jüdische Gemeinde zu besuchen. Die Schüler wurden vom Rabbiner Efraim Yehoud-Desel herzlich begrüßt und er erzählte ihnen gleich zu Beginn, dass Paul Spiegel seine Bar Mizwa, also die Aufnahme als vollwertiges Mitglied in die Gemeinde mit dreizehn Jahren, in dieser Synagoge gefeiert habe. Aus einer Gruppe von ehemals knapp 70 Juden hat sich mittlerweile eine Gemeinde von 700 Mitgliedern in Münster entwickelt. Deshalb hat die jüdische Gemeinde angebaut und voller Stolz konnte der Rabbiner den großen neuen Versammlungssaal der Gemeinde präsentieren, der erst vor kurzem eingeweiht worden ist. Er ging mit den jungen Besuchern aus Warendorf auch in den Keller des Gebäudes an der Promenade, dort gibt es einen extra Raum für die jungen jüdischen Gemeindemitglieder; die Jugendlichen  haben an eine Wand ihres Raumes unübersehbar den Schriftzug ´Hatikva` d.h. Hoffnung geschrieben. Der Höhepunkt der Besichtigung war aber sicher die Synagoge selbst. Rabbiner Yehoud-Desel zeigte seinen jungen Besuchern den Schatz, das Herzstück der Synagoge: die kostbaren Schriftrollen und den Schrein, in dem sie aufbewahrt werden. Er erklärte, dass auch heute noch die Thorarollen von Schreibern mühsam per Hand geschrieben werden und dass dies eine äußerst ehrenvolle Aufgabe ist. Allerdings gebe es in Deutschland z.Zt. keinen Schreiber, aber wohl u.a. in Amerika, Israel und Frankreich. Die Schüler konnten Teile einer besonders alten Thorarolle sehen und in die Hand nehmen; sie waren 300 Jahre alt und deshalb so gut erhalten, weil sie auf Reh-Haut geschrieben waren. Die Juden berühren das Wort Gottes aus Ehrfurcht nur mit einem kleinen Thorazeiger, dem Jad, den die Schülerinnen und Schüler alle einmal in die Hand nehmen konnten. Auch den kleinen Thorabehälter mit der winzigen Thorarolle, den der gläubige Jude auf der Stirn trägt, sowie den typischen Gebetsschal, den Tallit, den die Juden normalerweise unter ihrer Kleidung tragen, sowie die Tefillin, die Gebetsschnüre, konnten die Schülerinnen und Schülern sehen und anfassen. Alle diese Attribute greifen übrigens die Zahl 613 auf, das ist die Anzahl der Gebote, die ein frommer Jude halten muss. Eine andere wichtige Zahl ist die Zahl 7; so weist z.B. der siebenarmige Leuchter, die Menora, auf die Schöpfungsgeschichte im Buch Genesis hin; Gott hat die Welt in sieben Tagen erschaffen. Der siebenarmige Leuchter befindet sich sowohl in der Synagoge als auch als Abbildung an den beiden Außenmauern der Synagoge, zur Promenade und zur Klosterstraße. Auf die Frage der Schüler nach den jüdischen Essensvorschriften erklärte der Rabbi, dass nur bestimmte Tiere koscher seien und er gab launig zu, dass auch er viele der Gebote der Juden nicht wirklich erklären könne. Aber – so seine Erklärung – die Juden vertrauen ihrem Gott und seinen Geboten, sie sind sich sicher: Gott meint es gut mit uns – Grund genug, die Gebote zu halten. Das wichtigste aller Gebote sei das Wohlergehen jedes Mitmenschen –  das verbinde doch den jüdischen mit dem christlichen Glauben. Da der Rabbiner sich über die interessierten Schüler freute, sang er mit ihnen zum Ende der Besichtigung noch ein Lied zum Lobe Gottes. Er zeigte den Schülern, welche Gesten und  Handbewegungen die Juden dazu machen und hatte Spaß daran, mit einigen Schülern die Bewegungen auszuprobieren. Auch die Klasse hat sich in der jüdischen Gemeinde Münster sehr wohl gefühlt und zahlreiche Eindrücke mit zurück nach Warendorf genommen. Ein ganz besonderer Dank gebührt Rabbiner Efraim Yehoud-Desel, auf dessen Visitenkarte geschrieben steht: „Empfange jeden Menschen mit freundlichem Gesicht“ – das hat er den Besuchern des AWG wahrlich gezeigt.

Print Friendly