Latein

Fünf gute Gründe, Latein zu lernen

1. Grund:  Erwerb des Latinums, einer bundesweit anerkannten Qualifikation Einwand: Das braucht man doch heute gar nicht mehr.

Doch. In einigen geisteswissenschaftlichen Studienfächern sind an deutschen Uni-versitäten das Latinum oder Lateinkenntnisse im Umfang des Latinums vorgeschrieben. Dies betrifft nicht nur Theologie und Archäologie, sondern auch moderne Sprachen, Philosophie und Geschichte.  Neuere Studien zeigen darüber hinaus, dass die allgemeine Studierfähigkeit verbessert wird, da Inhaber des Latinums eine höhere Lesekompetenz für wissenschaftliche Texte haben. ( s. auch Punkt 4/Texterschließung)

So kann man am Augustin-Wibbelt-Gymnasium  den Abschluss erreichen:

Alle Schüler, die an unserer Schule nach drei Jahren den Lateinunterricht mit der Mindestnote ‚ausreichend‘ abgeschlossen haben, bekommen den Nachweis über das so genannte Kleine Latinum. Diese Qualifikation wird bei einigen Studiengängen zum Nachweis von Lateinkenntnissen anerkannt. Das Große Latinum, das bundesweit anerkannt wird, kann man nur  mit einer Zusatzqualifikation erwerben. Zum Grundkurs Latein, der durchgängig vierstündig von der Jahrgangsstufe 11 bis 13 erteilt wird, gibt es dann in der Jahrgangsstufe  13 einen  zusätzlichen  zweistündigen Qualifikationskurs, um so in kurzer Zeit die Kenntnisse für die anschließende externe Prüfung zu erweitern. Das Latinum beinhaltet einen mündlichen und einen schriftlichen Prüfungsteil, wobei wahlweise entweder die schriftliche Prüfung mit dem 3. Abiturfach kombiniert werden kann oder aber die mündliche Prüfung mit dem 4. Abiturfach.

2.  Grund: Latein als Sprachreflexion

Einwand: Wozu soll man Latein als Fremdsprache lernen? Man spricht es doch nicht mehr!

Das stimmt. Latein ist KEINE KOMMUNIKATIONSSPRACHE sondern eine REFLEXIONSSPRACHE, die dabei hilft, die eigene Sprachkompetenz zu verstärken.  Zum einen gibt es in der deutschen Sprache viele lateinstämmige Wörter, die entweder direkt aus dem Lateinischen stammen oder über das Französische und Englische ins Deutsche gelangt sind. Probelink: Wie viel Latein…?  Zum anderen beschäftigen sie sich mit komplexen sprachlichen Phänomenen (Link: Kommentar) und begreifen sie besser. Die Schüler lernen die lateinische Sprache mit dem Ziel, lateinische Texte zu erfassen, sie in der Muttersprache wiederzugeben und zu interpretieren. Dadurch verbessern sie deutlich ihre Kompetenzen in der deutschen Sprache. Sie lernen, sich besser auszudrücken und Nuancen wiederzugeben, eine Qualifikation, die in allen gesellschaftswissenschaftlichen Fächern ( z. B. Geschichte, Religion, Philosophie, Erdkunde usw.) eine entscheidende  Rolle spielt. Darüber hinaus bekommen sie indirekt Hilfe beim (auch späteren) Erlernen von Fremdsprachen (z.B. Französisch, Italienisch, Spanisch). Bekanntlich beruht der große Teil des Vokabulars und der grammatischen Regeln auf dem Substrat der lateinischen Sprache .

Link: Synergie-Effekte zwischen Latein und modernen Fremdsprachen

3. Grund: Entwicklung von Schlüsselqualifikationen

Einwand: Es ist doch mühsam und langweilig…

Es ist sicherlich ein schwieriges Fach, aber von nichts kommt nichts. Der Lateinunterricht fördert Konzentration, Durchhaltevermögen,  Sorgfalt sowie mentale Operationen wie Analysieren, Unterscheiden von Wichtigem und Unwichtigem, Erkennen von Zusammen-hängen. Die Schülerinnen und Schüler trainieren durch das Übersetzen das mikroskopische, exakte Lesen mit dem Blick auf die Endungen. In der heutigen von Technologie und Medien geprägten Kultur der Schnelligkeit geht bei den Jugendlichen diese Kunst des genauen Hinschauens verloren. Dabei ist Genauigkeit aber bei vielen unterschiedlichen Berufen eine entscheidende Schlüsselqualifikation (z. B. Apotheker, Finanzbeamte, Chemiker etc.)

4.  Grund: Latein als Grundlage zur  Texterschließung

Einwand: Wozu noch Caesar, Seneca und die anderen?

Bei den „Alltagslektüren“ (z.B. Zeitungsartikeln und andere Verbrauchstexten)  und zum Teil im neusprachlichen Unterricht geht es häufig um eine oberflächliche Aufnahme der Inhalte („Text quer lesen“), um möglichst schnell  die wesentlichen Informationen aufzunehmen. Nuancen werden nicht so  mehr wahrgenommen. Versteckte Botschaften, Leserlenkung, Manipulation wird überlesen.  Beliebigkeit und Oberflächlichkeit machen sich breit. Differenzierte Urteile kann man auf dieser Grundlage schwer erreichen. Nuanciert wahrnehmen und urteilen ist aber  wichtig für einen wirklich gebildeten Menschen, vor allem während des Studiums. Gerade wissenschaftliche Texte bedienen sich vielfach lateinischer Begriffe und arbeiten mit feinsten fachspezifischen  Unter-scheidungen. Jugendlichen fällt es oft  schwer, schwierige Texte zu verstehen (häufig fragen Schüler im Unterricht in vielen Fächern: ‚Können wir das nicht zusammen lesen?‘) Durch die Arbeit an komplexen Texten  der Antike  ist ein Lateinschüler gezwungen, sich ganz auf einen Text einzulassen, dessen Aufbau nachzuvollziehen, die Leserlenkung wahrzunehmen, nuancierte Betrachtungsweisen in der deutschen Sprache wiederzugeben. Wie neuere universitäre Untersuchungen zeigen Link: Untersuchung Köln, haben Inhaber des Latinums eine höhere Lesekompetenz für anspruchsvolle Texte als andere Studenten.

5. Grund: Auseinandersetzung mit der antiken Grundlage der europäischen Kultur   Einwand: Warum die Antike?

Rechtsbegriffe, Wertordnungen und Normen sind in der Antike  geprägt worden und heute noch gültig. Viele Grundtexte der Geisteswissen-schaften  sind übrigens in Lateinisch geschrieben (Theologie, Geschichte, Philosophie). Latein schuf einen gemeinsamen Denkstil über das Provinzielle hinaus. Veränderungen z. B. im Menschenbild (siehe die Rolle der Frau) lassen sich mit heutigen Einstellungen vergleichen, andererseits kann man immer konstante anthropologische Grund-komponenten erkennen (z.B.: Liebe, Gier, Neid). Dank der Latinitas ist Europa eine Einheit mit einem gemeinsamen Ursprung und   Geschichte und  mit einem typisch ‚europäischen Geist.‘ Antike Texte sind oft von späteren Dichtern wieder aufgenommen worden. Sie zeigen damit die Kontinuität der europäischen  Kultur auf (Präsentation Latein). Das ist wichtig für die Identität als Europäer.

Curriculum Latein

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