Erziehungswissenschaften

Liebe Eltern, Liebe Schülerinnen und Schüler,

die folgenden Informationen verschaffen Ihnen/Euch einen Einblick in die inhaltliche und methodische Arbeit des Faches „Pädagogik“, das am Augustin-Wibbelt- Gymnasium in der Sekundarstufe II angeboten wird. „Was bringt mir der Pädagogikunterricht?“

 FÜR DIE ALLGEMEINBILDUNG Das Thema „Erziehung“ begegnet uns täglich. In den Medien werden schreckliche Handlungen von Kindern und Jugendlichen dargestellt und die Ursache dieser Fehlentwicklungen u.a. auf die Erziehung zurückgeführt; in Politik und Gesellschaft wird eine neue „Werte-Erziehung‘ gefordert. Eltern und Berufserzieher sind verunsichert angesichts der vielfältigen Veränderungen in Familie, Beziehungen, Schule, Medien, Wirtschaft u.a. Bereichen. In dieser rasch sich verändernden, von Tendenzen zur Globalisierung und Individualisierung gekennzeichneten Gesellschaft ist der Einzelne auf Erziehungs- und Bildungsprozesse angewiesen. Er benötigt vermehrt Fähigkeiten zur Selbststeuerung, um als mündiger Bürger interkulturelle Verantwortung übernehmen zu können und zur Konsensbildung in pluralen Zusammenhängen beizutragen. Die Schlüsselfrage zu all dem lässt sich so formulieren: Wie kann der und die Einzelne stark genug werden, um im Chaos der Probleme nicht unterzugehen, sondern Orientierung zu finden und glücklich und verantwortlich leben zu können? Zu solchen Fragen kann man im Pädagogikunterricht fachliche und persönliche Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben.

 FÜR PÄDAGOGISCHE BERUFE Pädagogikunterricht ist eine nützliche Vorbereitung für eine Vielzahl von Berufen, in denen Erziehung, Beratung, Psychologie, Psychiatrie, Gemeindearbeit, Unterricht, Förderung, Pflege, Sozialarbeit und Sozialpädagogik eine wichtige Rolle spielen. Grundlegende Theorien, Ansätze, Arbeitsweisen, Persönlichkeitsanforderungen werden im Pädagogikunterricht theoretisch und zum Teil auch praktisch behandelt, so dass der Einstieg in solche Studien-und Ausbildungsgänge leichter fällt.

 FÜR DEN BERUF ALLGEMEIN Pädagogikunterricht ist eine nützliche Vorbereitung auch auf nicht-pädagogische Berufe. Wissen und Fähigkeiten im Umgang mit Menschen, Verstehen und Gestalten menschlicher Verhaltensweisen, selbstbewusstes Mitarbeiten im Team, kommunikative Fähigkeiten und Gespür für soziale Aspekte von Produkten, Prozessen, Organisationen sind in vielen Berufen zunehmend gefragt. Pädagogikunterricht bietet hier durch seine Inhalte und Arbeitsweisen die Möglichkeit, auf bewusstere Weise etwas gezielt zu lernen, was sonst häufig eher ’nebenbei‘ erworben – oder eben auch nicht erworben – wird.

 FÜRMICHPERSÖNLICH Pädagogikunterricht kann ein Ort des Lernens für meine Persönlichkeit sein. Die Themen haben oft etwas mit dem eigenen Leben zu tun, d.h. meiner Erfahrung als einem Erzogenen (was anstrengend und unbequem, aber auch interessant und nützlich sein kann). Die eigene Vergangenheit kann mir verständlicher werden; die gegenwärtigen Erfahrungen mit Eltern, Freunden, Schule, Jugendarbeit, Jobs kann ich oft verknüpfen mit den Theorien im Unterricht. Für die eigene Zukunft als Lernender, Arbeitender, Erziehender, für meine Rollen als Student, Lehrling, Berufstätiger, Arbeitsloser, Mutter, Vater kann ich viel gewinnen an Wissen und Einstellungen. Das alles geschieht nicht automatisch, auf keinen Fall aber mit Zwang: Jeder kann und muss das Maß selbst bestimmen, in dem er Person und Sache im Pädagogikunterricht zusammenbringt. Dazu gibt es im Pädagogikunterricht Hilfen.

„Was wird im Pädagogikunterricht thematisch behandelt?“

Die Richtlinien geben pro Halbjahr das Kursthema und drei thematische Schwerpunkte für die inhaltliche Erschließung des Faches vor. In diesem Rahmen erfolgt eine Mitbestimmung bei der Auswahl der Unterrichtsinhalte und -themen. Eine Zusammenarbeit mit anderen Fächern ist vorgesehen.

PÄDAGOGIKUNTERRICHT

Ein neues Fach in der gymnasialen Oberstufe Kursthemen: Sechs Halbjahre der Jahrgangsstufen: EF (11.1) bis Q2 (13.2 )

Thematische Schwerpunkte

1. Erziehungssituationen und Erziehungsprozesse

– Das Individuum im Erziehungsprozess

– Erzieherverhalten und Legitimation der Erziehungspraktiken

– Erziehung in verschiedenen historischen und kulturellen Kontexten

2. Lernen und Entwicklung

– Beobachtung, Beschreibung und Analyse von Lernvorgängen – Entwicklungsprozesse und Lernprozesse

– Beeinflussung von Lernprozessen und Selbststeuerung des Lernens

3. Entwicklung und Sozialisation in der Kindheit

– Grundlagen und Interdependenzen von Entwicklung und Sozialisation

– Modelle der wissenschaftlichen Erfassung von Entwicklung, Sozialisation und Entwicklungsstörungen im Kindesalter

– Pädagogisches Denken und Handeln aufgrund von Erkenntnissen über Entwicklung und Sozialisation

4. Entwicklung, Sozialisation und Identitätsbildung im Jugend- und Erwachsenenalter

– Entwicklung, Sozialisation und ihre Risiken in Pubertät und Jugendalter und ihre wissenschaftliche Erfassung

– Pädagogisches Denken und Handeln aufgrund von Erkenntnissen über Entwicklung und Sozialisation in Pubertät und Jugendalter

– Entwicklung, Sozialisation und Identitätszyklus

5. Normen und Ziele in der Entwicklung

– Normen und Ziele in verschiedenen historischen politischen und kulturellen Erziehungskontexten

– Institutionalisierung von Erziehung

– Pädagogische Theoriebildung 6. Identität

– Erzieherische Aspekte der Identitätsbildung im Kontext persönlicher Entfaltung und sozialer Verantwortung

Infoblatt_Erziehungswissenschaften

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