Krakau 2015

Zunächst gab es einige skeptische Haltungen gegenüber der Idee für die Studienfahrt das Reiseziel Krakau auszuwählen. Dann aber konnten sich doch die meisten Schüler/innen aus dem Mathe-LK von Herrn Frönd und dem Sowi-LK von Frau Herich damit anfreunden, das Reiseziel Krakau in Polen auszuwählen.

Krakau2015
Wir fuhren am späten Sonntagabend, dem 06.09. 2015 mit dem Bus los und kamen erst nach einer wirklich anstrengenden Nachtfahrt gegen Mittag des nächsten Tages in Krakau an. Erste Anlaufstelle war unser Hotel Astoria, das einen wirklich soliden und akzeptablen Eindruck machte. Zur Freude aller konnte der restliche Montag selbst gestaltet werden. Viele erkundeten die Stadt erstmals auf eigene Faust, tauschten Geld in die dortige Währung Zloty um und stillten Hunger und Durst an den vielen kleinen Restaurants und Läden. Einige besuchten das uns aus einer vorbereitenden Dokumentation über Krakau angepriesene Bagle-Restaurant: Der Ursprung von Bagles liegt nämlich nicht in New York, sondern in Krakau.
Am nächsten Tag trafen wir uns zu einer vierstündigen Stadtführung, bei der wir umfassende Informationen rund um Krakau bekamen. Wir erfuhren, dass die Stadt, die übrigens die zweitgrößte Polens ist, stark durch die jüdische Kultur geprägt wurde, was man z.B. an den vielen Synagogen erkennen kann, die eine wirkliche architektonische Bereicherung im sog. jüdischen Viertel Kazimierz darstellen. Aber auch die Altstadt Krakaus ist wunderschön mit ihren Kirchen, den Tuchhallen und dem Wawel, dem sog. Schlosshügel, auf dem die polnichen Könige begraben liegen. Abseits dieser beeindruckenden Stätten findet man aber immer noch einige Straßenzüge, die vergleichsweise heruntergekommen wirken. Wir konnten uns am selbigen Tag von all den Eindrücken bei einem 3-Gang-Menü in einem Restaurant direkt am Marktplatz erholen und gleichzeitig Kraft tanken für den folgenden Tag, an dem wir das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz/ Birkenau besuchen wollten. Mit gemischten Gefühlen traten wir durch das Tor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“, wissend, dass so viele Menschen hier leider ihr Leben lassen mussten. Etwa 1,5 Millionen Unschuldige wurden von den Nationalsozialisten in diesem Lager systematisch ermordet.  Ein furchtbares, historisches Vergehen, das die Menschheit niemals vergessen darf, damit es sich nicht wiederholt. Die Emotionen unserer Kurse waren sehr eindeutig, denn an dem großen Schweigen während der Führung konnte man sehr gut erkennen, wie nah dieses Ereignis allen ging. Der Besuch Auschwitz/Birkenaus führte uns erstmals wirklich vor Augen, welchen unmenschlichen Bedingungen die Gefangenen damals ausgesetzt waren und welche Angst sie dabei erlitten haben mussten. Insgesamt also ein wirklich wichtiges Ausflugsziel, um die historischen Zustände aus einer anderen Perspektive zu begreifen. Man kann sagen, dass es wohl der bedrückendste, aber auch eindrucksvollste Tag unserer Kursfahrt war.
Am Donnerstag bekamen wir eine Führung durch die älteste Salzgrube der Welt, Wieliczka, und mussten dazu weit über 100 m durch Treppen in die Tiefe steigen. Wir wurden durch engen Gänge und große Hallen bzw. Kapellen geführt, deren Inventar komplett aus Salz modelliert wurde. Dankbar waren wir allerdings besonderes für den Umstand, dass es am Ende mit einem Aufzug wieder in die Höhe ging.
Während einige Schüler/innen sich am Freitag noch zu einer Besichtigung der Fabrik von Oskar Schindler entschlossen, in der nun die Geschichte der Juden in der Stadt Krakau dokumentiert wird mit vielen alltags- und sozialgeschichtlichen Elementen, nutzten andere an diesem Vormittag noch die günstigen Einkaufsmöglichkeiten in der Stadt, auch um Reiseproviant für die Rückfahrt zu kaufen.
Fazit unserer Kursfahrt ist jedenfalls, dass wir noch einmal gemeinsam miteinander losfahren würden: Wir hatten viel Spaß – auch in den Clubs von Krakau, auf den Hotelzimmern und abseits des offiziellen Programms.

Robin Zurwieden

Jüdischer Geschichte ganz nah

Dzień dobry bedeutet „Guten Tag” auf polnisch. Mit kleinem Vokabular, aber großem Interesse an Geschichte reisten die Mathe und Soziwalwissenschafts Leistungskurse des AWGs nach Krakau, einer beliebten, polnischen Studentenstadt, um sich dort mit der jüdischen Vergangenheit vertraut zu machen. Krakau besitzt nämlich nicht nur große Universitäten, es hat auch einen wichtigen geschichtlichen Stellenwert.
Mit einer Unterkunft, direkt innerhalb des jüdischen Viertels, bot sich die Stadt zum Erkunden an. Große historische Bauten wie die Marienkirche haben die Blicke der Schüler auf sich gezogen und Hintergründe wurden sorgfältig von geschichtskundigen Ortsanwohnern erklärt. Zu den Anfahrtspunkten gehörte auch das alte Salzbergwerk Wieliczka, welches mit seiner, aus Salz gehauenen, Kapelle beeindrucken konnte. Viele Treppenstufen unten hatten die Schüler hier die Möglichkeit sich ein Bild von der früheren Arbeitssituation zu machen, mit anschließender Tour durch den eigenen Souvenirshop.

Auf den Spuren des 2. Weltkriegs

Das jüdische Viertel ist jedoch aus einem anderen Grund besonders: Es ist das einzige jüdische Viertel, das den 2. Weltkrieg unbeschadet überstanden hat und somit lebendige Geschichte. Aber auch ein Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz durfte bei dieser Fahrt nicht fehlen. Die lange Führung durch die Anlage offenbarte zwar tiefe Einblicke, hatte aber natürlich auch schwere Momente. Bilder von früheren Häftlingen und die Möglichkeit noch erhaltene Bauwerke aus der NS-Zeit mit eigenen Augen zu sehen schockierten und interessierten die Schüler gleichermaßen. Zum Abschluss der Fahrt gab es weiterhin die Möglichkeit die Oskar-Schindler-Fabrik zu besichtigen. Hier bekamen die Schüler die Möglichkeit sich in die Vergangenheit zurückzuversetzen, inklusive Führung durch Schindlers persönliches Büro. Gleichzeitig konnten sich die Schüler über seine Leistungen und seine Taten gründlichst informieren.

Die Stadt der Tauben

Neben dem jüdischen Viertel und der Marienkirche im Stadtzentrum hat Krakau aber noch viel mehr Sehenswürdigkeiten wie die Wawel-Anhöhe mit dem Königsschloss, der ehemaligen Residenz polnischer Herrscher in Krakau. Mit dem Arkadenhof bietet sich das Schloss als architektonischer Hingucker an und beeindruckt mit den alten Fresken an den Wänden.
Hier bot sich dem SoWi-LK die einmalige Gelegenheit den polnischen Präsidenten bei einem Besuch zu sehen.
Aber auch von der kulturellen Seite konnte man sich einiges anhören. Neben spannenden Legenden über Prinzessinnen und Drachen lernte man jedoch auch Skurriles. Wieso gibt es in Krakau soviele Tauben?
Ganz einfach, diese sind nämlich verzauberte Männer die sehnsüchtig auf die Rückkehr ihres Herzogs warten.
Bei den vielen interessanten Geschichten konnte man sich aber sicher sein, dass für jeden Geschmack etwas dabei war.

Mark Knaup

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