Mephisto

Mephisto oder das teuflische Element im Deutschunterricht –
ein Beitrag zu Goethes Drama „Faust. Der Tragödie erster Teil“

Oh je – Deutschunterricht! Dort geht es manchmal wahrhaft teuflisch zu:
L SchnellTeuflisch schwer sind die Analysen und immer wieder Analysen, na ja und die Grammatik, dann noch die korrekte und fachlich angemessene Darstellung – all das ist schließlich auch nicht gerade der Himmel auf Erden. Ganz zu schweigen von Goethes „Faust“, der Gretchenfrage und des Pudels Kern, der sich tatsächlich als der Teufel Mephistopheles erweist. Mit ihm tun sich dann wirklich menschliche Abgründe auf. – Das muss und soll man alles wissen?
Sicher, denn ohne diese Aspekte geht es nicht, schon gar nicht durch das Abitur, und der Teufel sitzt bekanntlich im Detail. Da muss man sich schon richtig abmühen.
Aber manchmal geht es auch ganz anders zu. Was dabei herauskommen kann, könnt Ihr nachlesen und auch hören bei Levin Schnell, einem Schüler eines Deutschleistungskurses der Q 1 unserer Schule. Bei ihm wird es ganz sicher teuflisch. Aber lest und hört hier selbst, was Mephisto Euch zu sagen hat:

Monolog Mephistos (nach der Hexenküche)
Verfasst und vorgetragen von Levin Schnell LK De Q1 (Albat)

Ha! Wenn der „Alte“(V. 350) wüsste, dass er die Wette schon so gut wie verloren hat! – Ich werde ihm beweisen, dass der Mensch keine höhere Bestimmung aus eigener Kraft finden kann und trotz Ver-nunftbegabung immer Gefangener der Materie und Genusssucht bleibt.
Nun, zwar war Faust nicht von dem Besuch in Auerbachs Keller angetan (vgl. V. 2296), doch ist auch er nur ein irdisches Wesen, ein Mensch voller Bedürfnisse und ich werde Faust das „wilde Leben“ (V. 1860) inszenieren. Er soll sich nach Begierde sehnen und an ihr ergötzen! (vgl. V. 1861 ff.)
Durch den Verjüngungstrank habe ich ihn schon präpariert und zu einem anziehenden Liebesobjekt gemacht und so auch seine Lüsternheit auf den Höhepunkt getrieben (vgl. V. 2598).
Er schmachtet bereits nach einer Helena. Pah! Er wird mir eine Marionette sein und meinen bösen Willen erfüllen. Er wird sich, sobald wir uns unter das Volk, unter die „Menschenbrut“ (V. 1369) be-geben, in das erstbeste Weib vernarren (vgl. V. 2603 f). Und dann wirst „du, oh Herr“(V. 271) erkennen, wie du dich und deine Schöpfung überschätzt (vgl. 280ff).
Auch wenn mir der Sieg schon sicher scheint, so habe ich doch noch das Vergnügen mit Faust, auf den du so baust (vgl. V. 308ff). Ich werde seinen „neuen Lebenslauf“ (V. 2072) ein klein wenig animalisch reformieren, fern von deinem Menschenbild.
Sobald Faust sich eine ausgesucht, wird aus deinem, ach so tollen „Knecht“ (V. 299), meiner, ein von Begierde Getriebener, welcher durch seine Lüsternheit sicherlich nicht nur sich allein zu Grunde richten wird (vgl. V. 3365).
Macht euch keine Hoffnung, Herr, dass Faust „sich des rechten Weges wohl bewusst“ (V. 329) sein könnte! Nicht mit mir! Des bin ich mir gewiss!

Hören könnt Ihr Mephisto (Levin Schnell) hier!

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