Vortrag von Sally Perel

Hitlerjunge Salomon am AWG – Perelbeeindruckt nachhaltig

Die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören konnte man während zweier Vorträge am Augustin- Wibbelt- Gymnasium. Sally Perel, Autor der bekannten Autobiographie und der erfolgreichen Verfilmung seines Lebens – „Ich war Hitlerjunge Salomon“ – beeindruckte die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen Q1 und Q2  mit seiner Lebensgeschichte und seiner Botschaft an die jungen Menschen von heute tief.
Zwei Stunden berichtete Perel von seinem Schicksal, in der Zeit des Nationalsozialismus das als einzigartig gilt. Der Junge jüdischer Eltern, namens Salomon, überlebte in der Uniform des Feindes als Hitlerjunge Josef von allen Schulkameraden und Freunden „Jupp“ gerufen.
Perel4Sally Perel berührt die Zuhörer zutiefst. Er berichtet vom Abschied von seinen Eltern, von der Liebe und Weisheit seiner Mutter, die ihre Söhne in dem Wissen fortschickt, sie niemals wiederzusehen, um deren Überlebenschancen zu erhöhen. Ihr Abschiedswort an Sally – Du sollst leben – wird für Perel zum Antrieb seines Überlebenskampfes. Den Wunsch seines Vaters – Vergiss nie, wer du  bist – wird für Perel für lange Zeit nur zu seinem geheimen Credo. Die Schüler erfahren von Sally Perels dramatischem Weg in die deutsche Wehrmacht, für die er als Dolmetscher arbeitet. Später wird er als Hitlerjunge Schüler des HJ-Eliteinternates in Braunschweig. Perel berichtet sehr offen von seiner Begeisterung für die NS-Ideologie, die ihm wie ein Gift indoktriniert wurde und die ihn seine Wurzeln und seine Religion fast vergessen ließ.
Dennoch kommt Sally Perel, der nach dem Zweiten Weltkrieg nach Israel ausgewandert ist, heute gerne nach Deutschland, das er als sein Mutterland bezeichnet. Er spricht von seiner Liebe zur deutschen Jugend, aber auch von seinen Sorgen, wenn er wieder Deutsche in Bomberjacken sieht, die er ganz klar als Neonazis einordnet.  Perel wird hier unmissverständlich deutlich: Sein Zeitzeugenbericht soll Wirkung haben. Er macht seinem jugendlichen Publikum klar, dass sie die Aufgabe haben, ein Deutschland ohne Hass und Rassismus zu gestalten. Sie müssten Zivilcourage zeigen gegen jene, die  menschenverachtende Ideologien propagieren. Sally Perel macht deutlich, dass es nicht um Kollektivschuld geht, die Schuld an den Verbrechen des Nationalsozialismus sei nicht vererbbar. Aber es gehe heute um die Würde jedes Menschenlebens, die heutige Jugend müsse alles versuchen, um dieses Recht zu bewahren und rechten Strömungen konsequent entgegentreten.
Wie sehr Perel seine Zuhörer begeistert, zeigen die vielen Fragen der Schülerinnen und Schüler am Ende seines Vortrags, viele die sich seine Autobiographie signieren lassen, wollen auch noch ein paar persönliche Worte sprechen. Perel ist dieser Kontakt sehr wichtig. Er nimmt sich für die Jugendlichen viel Zeit. Auch an die Schule richtet Sally Perel eine klare Botschaft. Die Erziehung zum kritischen Denken ist für ihn die wichtigste Aufgabe der Schulbildung. Dass sein beeindruckender Zeitzeugenbericht zum tragenden Beitrag für eine solche Schulbildung wird, ist sein zentrales Anliegen.

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Zeitungsartikel WN vom 04.11.2015

Zeitungsartikel Die Glocke vom 04.11.2015

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