Die Angst vor Gott oder die Angst vor dem Nichts

Angst vor Gott2aAWG-Schüler/innen besuchen die Ausstellung „the problem of god“ in der  Kunstsammlung Düsseldorf
„Fear of god … fear of friends … fear of falling asleep and never waking up … fear of fear … fear of nothing“ – beim Besuch der Ausstellung „the problem of god“ in der Kunstsammlung Düsseldorf (K21) wurden 55 Q2-Schüler/innen des AWG mit einer Liste von 150 Ängsten im Horizont zwischen Verdammnis und Erlösung, den der Künstler Douglas Gordon durch seine Rauminstallation „From god to nothing“ schafft, eindrücklich konfrontiert. Auf Augenhöhe zieht sich ein weißes Textband mit der Nennung dieser Ängste auf einer schwarzen Wand entlang. Die Installation lädt die Betrachter zur Begegnung mit den (eigenen) Ängsten ein, eine Einladung, der die Schüler/innen folgten.

Die Grund- und Projektkurse Kunst von Frau Heimeshoff und der Grundkurs Kath. Religion von Frau Herich sahen eine Ausstellung, bei der es um eine Verbindung zeitgenössischer Kunst mit Motiven und Bildern der christlichen Tradition geht. Dabei ist die Bezugnahme der Künstler/innen auf die christliche Bildsprache vielfältig. Es geht bspw. um eine Auseinandersetzung mit existentiellen Grundfragen (Leben, Tod, Opfer), um Fragen des Glaubens, der ‚Unfassbarkeit‘ Gottes sowie der Analyse gesellschaftspolitischer Verhältnisse. All diese Themen werden von den Künstler/innen kritisch, mal provokativ, humorvoll, manchmal sogar abstoßend reflektiert oder in die (religionsferne und/ oder doch religiöse) Gegenwart übersetzt. Manche Arbeiten widersetzen sich aber auch einer „einfachen Lesart“, wie es im Ausstellungsheft heißt – und wie es von den Schüler/innen bestätigt wird.

Zu den beeindruckenden Kunstwerken zählen die Fotografien von Boris Mikhailov, der bekannte christliche Bilder zitiert, indem er sie von ukrainischen Obdachlosen neu inszenieren lässt. Die auf diesen Fotografien sichtbaren oftmals nackten, ungepflegten und gebrochenen Körper erinnern schnell an die Darstellung des gekreuzigten Jesus. „Die müssen sich aber gut gekannt haben, dass sie sich so zur Schau stellen“, kommentierte eine Schülerin das Verhältnis des Künstlers zu den Darstellern.

Interessant ist auch die Videoinstallation „Quintett der Erstaunten“, bei der der Künstler Bill Viola eine mittelalterliche Beweinungsgruppe durch eine Gruppe von fünf Schauspieler/innen in Zeitlupengeschwindigkeit in Szene setzt. In Slowmotion zeigen die fünf Betrachter der Passion Christi mimisch und gestisch das Spektrum der Emotionen des Geschehens so verlangsamt, dass man zunächst den Eindruck gewinnt, man stünde vor einem Gemälde.

IMG_2150Eine echte Herausforderung war der Besuch der riesigen Rauminstallation „in orbit“ von Tomás Saraceno, den sich IMG_2155viele Schüler/innen nach dem 90-minütigen Rundgang durch die Ausstellung noch zutrauten. Diese riesige Konstruktion aus Stahlnetzen, die in drei Ebenen unter der Glaskuppel aufgespannt ist, erinnert an ein Wolkenmeer, von dem aus man in schwingender Höhe auf die Museumsbesucher in der Tiefe schauen konnte. Nur stellte sich die Leichtigkeit des Wolkenmeeres nicht ein: Genießen konnte den Besuch dieser Installation nur der, der keine Höhenangst hat, Angst begegnen und Angst überwinden kann – ein Erlebnis, bei dem man aber auch an seine Grenzen kommen kann.

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