Projekttage 2016

Heimat oder Fremde?
Zuwanderungsgeschichten aus der Türkei und von anderswo
„Die türkische Kultur ist eine völlig andere Welt“, die sich immer mehr in unsere eigene, hier in Deutschland einbringt. Sie vermischt sich immer mehr mit unserer durch viele türkische Zuwanderer und Kinder, die in der zweiten oder sogar in der dritten Generation in Deutschland leben, aber dennoch an ihren Wurzeln festhalten. Umso wichtiger ist es, zu verstehen, was in dieser Kultur wichtig ist, welche Essgewohnheiten sie haben, welche Feste sie feiern, warum sie diese feiern und was absolute NO-GOs sind. Genau damit beschäftigte sich der Projektkurs „Heimat oder Fremde? Zuwanderungsgeschichten aus der Türkei und von anderswo“. Was unterscheidet die türkische von der deutschen Kultur und warum haben die Türken doch keine völlig andere Kultur als wir? Das sind nur einige der Fragen, denen in diesem Projektkurs auf den Grund gegangen wurde. Mit Hilfe einiger Schüler mit türkischen Wurzeln und Lehrern, die in einem türkischen Bezirk aufgewachsen sind, wurden Missverständnisse und Vorurteile besprochen und über diese informiert. Es wurden am Anfangen sowohl Vorurteile über die türkische als auch über die deutsche Kultur zusammengetragen und diese dann auf Plakaten widerlegt oder bestätigt. Unter anderem mit Hilfe von Power Point Präsentationen, wird auch Schülern, die nicht an diesem Projektkurs mitgewirkt haben klar, dass Zuwanderer aus der Türkei und von anderswo keine Fremden mehr sind und hier auch ihre Heimat haben.

Wer kam? Wer kommt?                                                                                                  Zuwanderungsgeschichten 1945 bis heute
Das Projekt „Wer kam, wer kommt? Zuwanderungsgeschichten 1945 bis heute“, unter der Leitung von Frau Schwendy und Frau Beckmann thematisiert die Umsiedlung, Ansiedlung und Flucht verschiedener Migranten.
Am Mittwoch hing die Gruppe verschiedene Plakate auf und erstellte einen Rundgang. Des Weiteren hörten sich die Schülerinnen und Schüler der Gruppe einen Vortrag des Experten Herrn Heimken über Gewalt und Aggressionen sowie Klischees unter bzw. über Migranten an. Am Donnerstag gab es einen Vortrag von einem freiberuflichen Historiker über den IS und deren Tätigkeiten bzw. Wirkungsweisen in Deutschland.

Migration im Altenheim
Nachdem vorab Gesprächstermine mit der Leitung, dem Pflegepersonal und den Bewohnern dreier Altenheime in Warendorf vereinbart wurden, erhielten die Schülerinnen und Schüler des Projektes „Migration im Altenheim“ die Möglichkeit, Interviews zu führen und nach persönlichen Erlebnissen mit Migration nicht nur im Altenheim, sondern auch aus der Vergangenheit zu erfahren. So wurden zum Beispiel polnisch und russisch stämmige Bewohner von ebenfalls polnisch bzw. russisch sprechenden Schülerinnen und Schülern gefragt, wie sie ihr heutiges Leben in Deutschland bewerten, wobei festgestellt wurde, dass sich alle Befragten sehr wohl fühlen, auch, wenn zum Teil auf Grund unterschiedlicher Interessen nicht viel Kontakt zu anderen Bewohnern besteht.
Besonders beeindruckend fanden zwei Schülerinnen die Geschichte einer 99jährigen Bewohnerin, die während des Zweiten Weltkrieges mit ihren fünf Kindern aus Schlesien vertrieben wurde. In allen Details berichtete sie von ihren Erlebnissen und ihrem Weg von Ostpreußen nach Deutschland, bei dem sie Gefahren, Krankheit und Hungersnot ausgesetzt war. Heute, so die Schülerinnen, fühle sie sich sehr wohl in Deutschland.
Generell war jedoch vor allem in den Gesprächen mit dem Pflegepersonal und der Leitung festzustellen, dass Migration in den Altenheimen in Warendorf noch nicht wirklich angekommen ist, was aber vor allem auch an dem unterschiedlichen kulturellen und traditionellen Umgang mit älteren Menschen liegt. In der muslimischen Religion sei es viel mehr Brauch, die älteren Menschen zu Hause in der Familie zu pflegen, so das Pflegepersonal eines Altenheims.

Entrechtet, verschleppt, ermordet – die Deportation jüdischer Warendorfer nach Riga zur Zeit des Nationalsozialismus
Ein Themenbereich, mit dem sich die Schülerinnen und Schüler mehrerer Projekte befassten, bezog sich auf geschichtliche Erfahrungen mit Migration bzw. auch Auswanderung, Flucht oder Verschleppung.
Die Schülerinnen und Schüler des Projektes „Entrechtet, verschleppt, ermordet – die Deportation jüdischer Warendorfer nach Riga zur Zeit des Nationalsozialismus“ durften den Historiker Michel Esters begrüßen. Er erforscht unter anderem die Verschleppung jüdischer Menschen in Münster, aber auch in bzw. aus Warendorf und Umgebung und gab den Schülern einen interessanten Einblick, welche Auswirkungen das Regime des Nationalsozialismus regional hatten. Anhand mehrerer Quellentexte, die in Kleingruppen erarbeitet wurden, konnten so die Lebensweise der jüdischen Familie Spiegel aus Warendorf mit Verbleib der einzelnen Mitglieder sowie die Bedingungen, unter denen die Juden nach Riga deportiert wurden und das Leben in dem Ghetto in Riga aus der Sichtweise verschiedener Personen, wie z.B. eines Polizisten, eines Juden und eines gebürtigen Rigaer Bürgers erarbeitet werden.

Gegen das  Vergessen – Stolpersteine
Die SuS verfolgten auf einem geführten Stadtrundgang durch Warendorf die Spuren verfolgter jüdischer Familien. In dieser Führung suchten sie die ,,Stolpersteine“ auf. Dies sind Messingplatten welche in den Boden eingelassen wurden und auf welchen die Namen der Verfolgten Familien stehen. Sie befinden sich vor den Häusern in denen die Familien vor ihrer Vertreibung und während der Verfolgung lebten. Dazu erklärte Frau Sturm den SuS im Rahmen des Stadtrundganges viel über das Leben der Juden in Warendorf. Der Sohn eines aus Warendorf nach Amerika geflohenen Juden erzählte den SuS ebenfalls viel über die Flucht seines Vaters.
Danach arbeiteten die SuS in kreativer und informativer Form daran ihre Eindrücke und Ergebnisse für andere SuS greifbar zu machen.

Kriminalität und Migration – Zwischen Fakten und Mythen
Zunächst sahen sich die SuS Dokumentationen zum Thema Kriminalität und Migration an, speziell zu den Vorfällen der Silvesternacht in Köln.
Der Fokus der ersten Dokumentation, zu den Vorfällen in der Silvesternacht, lag bei Informationen zu den Tätern.
In der zweiten Dokumentation wurde die Nacht aus der Sicht der Opfer beschrieben.
Danach bildeten die SuS drei Gruppen, die sich zu unterschiedlichen Schwerpunkten zu dem Überthema informierten.
Die erste Gruppe interviewte einen Polizisten und stellte die Ereignisse der Silvesternacht in chrono-logischer Reihenfolge dar.
Die zweite Gruppe befasste sich mit der Rolle der Medien, der Dramatisierung solcher Ereignisse und den Einfluss der Medien auf die Politik.
Die letzte Gruppe setzte sich mit der Streitfrage auseinander, ob das Verhalten ausländertypisch ist oder, ob die Täter genauso gut Deutsche hätten sein können.

Was ist Kiezdeutsch?
Kiezdeutsch steht derzeit in Kritik und wird oft mit dem Sprachverfall in Verbindung gebracht. Doch stimmt diese Behauptung? Mit dieser Frage setzte sich der Projektkurs „Was ist Kiezdeutsch?“ ausei-nander. Die Annäherung an die Sprache erfolgte durch die Erarbeitung der Grammatik durch eigene Erfahrungen und wurde in Form eines Reiseführers, einer Reportage oder einer Diskussion visualisiert. Mithilfe der Untersuchungen der Sprache sollten die Schülerinnen und Schüler die Erkenntnis erlangen, dass es sich bei Kiezdeutsch nicht um Sprachverfall handelt, sondern um eine Sprachökonomie, was bedeutet, dass Wörter und Begriffe bzw. auch ganze Sätze verkürzt und in vereinfachter Form wiedergegeben werden, um die Ausdrucksweise (zeitsparend) zu vereinfachen.

Was ist das? Code-Switching bei russisch sprechenden Zuwanderern.
Beim Code-Switching handelt es sich um einen Vorgang, bei dem eine Person innerhalb einer Interaktion von einer Sprache in eine andere wechseln.
Die Schülerinnen und Schüler begannen zunächst, indem sie Plakate erstellten, um den Begriff des Code-Switching zu definieren. Anschließend verfilmten sie fünf Situationen, basierend auf eigenen Erfahrungen, in denen sie das Code-Switching darstellten. Beim Wechsel zwischen den Sprachen handelt es sich nicht um Mangel an Integration, sondern um einen unbewussten Vorgang, wenn man das Heimatland vermisst oder in Kontakt mit muttersprachlichen Personen steht. Es zeigt lediglich die Fähigkeit, viele Sprachen zu beherrschen. Hierbei wird das Reden erleichtert, allerdings nur, wenn beide Gesprächspartner auch beide Sprachen verstehen. Andernfalls kann es zu Verständigungsschwierigkeiten kommen oder einer der Gesprächspartner kann sich ausgeschlossen fühlen. Das Ziel des Projektes besteht darin, den Mitmenschen mitzuteilen, was Code-Switching ist und wo es im Alltag auftritt.

Migration und Kino
In diesem Projekt haben die SuS Filme analysiert, die mit dem Thema Migration in Verbindung stehen.
Einer dieser Filme war „Gegen die Wand“ (2004) und schildert die Liebesgeschichte einer jungen in Deutschland geborenen und aufgewachsenen Türkin, die eine Scheinehe mit einem älteren, alkohol-kranken und drogensüchtigen türkischstämmigen Deutschen eingeht, um den Moralvorstellungen ihrer Eltern zu entkommen.

Projekt 17: Wasser ist Leben – Wasser ist Tod
Das Projekt „Wasser ist Leben; Wasser ist Tod“, das von Frau Schmitz-Hövener und Herrn Hüging geleitet wurde, thematisiert die Bedeutung von Wasser bezogen auf Flüchtlinge. Die SuS des Projektes „Wasser ist Leben – Wasser ist Tod“ haben die Situation der Flüchtlinge, die über das Meer fliehen kunstvoll veranschaulicht. Hierzu haben sie ein Kunstwerk aufgebaut, indem das Meer mit hohen Wellen dargestellt wird. Zwischen den Wellen, haben die SuS eine wackelige Bank hingestellt.
Diese steht für die wackelige Situation auf den seeuntüchtigen Flüchtlingsbooten, welche häufig ken-tern, weil sie überladen sind, oder weil sie nicht auf starken Seegang ausgelegt sind. Auf Stellwänden sind Zitate von Flüchtlingen zu lesen, die diese Reise über das Meer selber erlebt haben. Des Weiteren hat sich diese Gruppe mit Vorurteilen und Klischees auseinandergesetzt, die Deutsche den Türken zuordnen bzw. Türken den Deutschen zuordnen. Hierzu hat die Gruppe ein Plakat erstellt.

Die gesamte Gruppe wurde in vier Kleingruppen aufgeteilt, eine Gruppe überlegte sich, ihr Projekt räumlich mit Hilfe bemalter Kartons darzustellen, eine andere fertigte eine Medaille mit dem Hinter-grund an, dass Medaillen immer zwei Seiten haben, wie auch Wasser.  Eine Seite ist mit positiven Dingen bemalt, ein Meer mit vielen Fischen, die andere negativ: ein Schiffsbruch mit vielen Toten. Dies soll zeigen, dass Wasser gleichzeitig Quelle und Untergang des Lebens ist.  Eine dritte Gruppe verdeutlichte das Ganze mit Hilfe einer Insel, die symbolisch für Rettung, aber auch den Tod stehen kann. Die letzte Gruppe machte den Weg eines Flüchtlings durch das Meer für Jedermann nachemp-findbar. Dazu hingen sie Flaschen an die Decke und stellten ebenfalls welche auf den Boden. Außerdem wurden die Wände etwas ausgekleidet. Mit verschlossenen Augen sollte durch diesen Weg gegangen werden, um die Angst eines Flüchtlings vorstellbar zu machen, danach sollte mit göffneten Augen durch den Gang gegangen werden, um alle Zitate und Sprüche zu lesen, die von Flüchtlingen stammten.

Migration und Kunst
Zu Beginn des Projektes „Migration und Kunst“ bekamen die Schülerinnen und Schüler die Aufgabe, sich Gedanken zu den Begriffen „Heimat und Familie“ machen. Anschließend wurden ihnen Bilder aus Kinderbüchern gezeigt, in denen Personen mit verschiedensten Körperhaltungen zu erkennen waren. Aus der Konstellation der zuvor gesammelten Assoziationen zu den Begriffen sowie den Bilden, erstellten die Schülerinnen und Schüler Karten mit den Überschriften Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, auf die sie die Silhouetten mehrerer Menschen mit unterschiedlichen Körperhaltungen malten. So wurden die Emotionen der Flüchtlinge visualisiert und veranschaulicht, indem zum Beispiel eine gebückte Körperhaltung für Schutzlosigkeit, Einsamkeit und Armut, und eine gerade Körperhaltung für Hoffnung und Zuversicht verwendet wurde.
Auf das Plakat mit der Überschrift Zukunft wurde ein großes, schwarzes Fragezeichen gemalt, um zu verdeutlichen, dass die Zukunft sowohl in den Heimatländern der Flüchtlinge, als auch in ihrer neuen Heimat ungewiss ist.

Portraits und Interviews mit Flüchtlingen
„Kunst ist immer gleich, egal welche Sprache oder Herkunft man besitzt“, behauptet eine Schülerin der Q1. Nach diesem Motto arbeitete der Kunst-Projektkurs des AWGs. Durch ein selbst durchgeführtes Interview mit Flüchtlingen sind die Schülerinnen und Schüler in Kontakt und ins Gespräch gekommen. Beim näheren Kennenlernen wurden Werte des Heimatlandes und Europas ausgetauscht, wodurch Gemeinsamkeiten gefunden wurden, die mit Kunst dargestellt werden können. Auf dieser Grundlage fertigten die Schülerinnen und Schüler Portraits und Collagen der Flüchtlinge mit Zitaten und Erwartungen aus dem Interview an. Das Ziel dieses Projektes besteht darin, die Vorurteile gegenüber anderen Kulturen aufzuheben und die Gleichheit der Flüchtlinge gegenüber unserer Gesellschaft zu verdeutlichen.

Hintergründe von Krisensituationen: im Fokus “Waffenexport“
„Waffenexport“ war das Thema eines weiteren Projektkurses, dass sich mit den Hintergründen von Konfliktsituationen auf der Welt beschäftigte, da hier die Ursachen für die Flucht vieler Menschen aus ihrer angestammten Heimat liegen. Am Mittwoch gab es zuerst eine Einführung in das des Experten Herrn Heimken. Nach dem Vortrag teilte sich die Gruppe auf und recherchierte zu der Problematik vertifend im Internet. Anschließend wurden die Ergebnisse in einer Präsentation zusammengefasst und reflektiert.

Projekt 24/25: Migration in der Tier und Pflanzenwelt
Die SuS dieser Gruppe begaben sich zum Teich am AWG, um dort die heimische Fauna und Flora zu untersuchen. Dabei wurden zuerst Insekten und Kaulquappen sowie andere Kleintiere im Wasser gefangen. Hierfür benutzten die SuS Kescher und Eimer. Um den Lebensraum dieser Wasserbewohner zu erforschen, wurde außerdem die Wasserhärte, der PH-Wert, der Phopsphorgehalt und weitere chemische Parameter des Wassers gemessen. Anschließend begaben sich die SuS in die Pflanzenwelt und schauten sich „eingewanderte“ Pflanzen wie die Goldähre und das kanadische Springkraut an. Unglücklicherweise wurde der zweite Erforschungsgang zum Teich unterbrochen, weil einer der Schüler in diesen gefallen ist. Davon ließen sich die anderen SuS jedoch nicht entmutigen. Sie stellten die Ergebnisse stattdessen in einer Bildstrecke da und boten bei der Vorstellung der Ergebnisse Rundführungen zu dem Teich an. Bei diesen stellten die Schüler ihr gelerntes Wissen den anderen Schülern vor. Insgesamt zeigten sich die SuS begeistert von der Artenvielfalt am Teich und waren beeindruckt, wie viele der heimischen Pflanzen und Tiere sie bestimmen konnten.

Sport mit Flüchtlingen/ Sport aus fremden Kulturen
Die Schülerinnen und Schüler des Sport-Projektkurses luden die Flüchtlinge aus Warendorf am Don-nerstag, den 07.07.2016 zu einem Fussballtunier ein. Die Einladung am Mittwoch sowie die Abholung am Donnerstag erfolgte persönlich und wurde von den Flüchtlingen herzlich angenommen. Das Turnier stand unter dem Motto „Miteinander nicht gegeneinander“ und sollte das Verhältnis zwischen Schülern und Flüchtlingen stärken. Das Ziel war die Vereinfachung der Integration der Migranten in Warendorf und auch in Deutschland allgemein. Im Gegensatz zu Deutschland hat der Fußball im Heimatland der Flüchtlinge einen weniger hohen Stellenwert, aber dennoch ist es ein Sport, der ihnen Spaß macht. Vorallem die Abwechslung zum normalen Alltag in den Flüchtlingsheimen nehmen sie dankbar entgegen. Auch die Schülerinnen und Schüler des AWGs freuten sich über das sportliche Angebot in den Kontakt mit den Flüchtlingen zu treten. Zwar gebe es Probleme im Sprachverständnis, aber im Fußball zählt die Teamfähigkeit, die durch die gemischten Teams gefördert wird.

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