„Zurück zum Glück“

Projektkurse „Soziales Lernen“ des AWG laden Hospizbegleiterin Frau Stammkötter vom Hospizverein Warendorf ein

„Erst wenn wir das Ende sehen, beginnen wir zu verstehen, worum es eigentlich für uns im Leben geht.“ – so heißt es in dem Song „Zurück zum Glück“ von den Toten Hosen, den die Schüler/innen der AWG-Projektkurse „Soziales Lernen“ von Frau Knippenberg und Frau Herich im Rahmen eines Expertengesprächs mit Frau Stammkötter vom Hospizverein Warendorf hörten.
Der Song verdeutlicht, was Frau Stammkötter in ihrer Arbeit mit Sterbenden gelernt und ‚geschenkt‘ bekommen hat, nämlich die Einsicht, das Leben jetzt zu leben: „Es ist unheimlich tragisch, dass viele Menschen ihr Leben und die Erfüllung von Träumen auf die Zeit der Rente verschieben und dann feststellen müssen, dass ihnen eben dafür keine Zeit bleibt.“ In vielen Gesprächen mit Sterbenden bekommt Frau Stammkötter hier oftmals ein großes Bedauern gespiegelt. Deshalb ruft sie dazu auf, zu klären, was „einem wirklich wichtig ist, wofür es sich lohnt“, „alles jetzt zu machen, wenn es geht“. Persönlich hat die Hospizbegleiterin daraus eine „Grundentspannung“ gewonnen, mit der sie auch zuhause gelassen z.B. über unaufgeräumte Kinderzimmer hinweg sehen könne.P1010607

Für die Schüler/innen, die im Rahmen dieses Projektkurses ein Praktikum in einer sozialen Einrichtung ableisteten und sich also bewusst dafür entschieden haben, sich mit Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, zu beschäftigen, oder Menschen kennenzulernen, die sich für andere engagieren, stellt die Arbeit der Sterbebegleiterin aufgrund der „Grenzerfahrung“ immer noch eine besondere Herausforderung dar, so dass ein sehr reges, kurzweiliges Gespräch mit Frau Stammkötter entstand, da die Schüler/innen zahlreiche Fragen, aber auch viele Anmerkungen und persönliche Erfahrungen in dieses Expertengespräch einbrachten: Erinnerungen an Filme (bspw.: „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, „Der Ja-Sager“), an Gespräche mit Freunden, an Songtexte und Gottesdienste, alles konnte hier gesagt werden.

Befragt nach den Strategien zur Verarbeitung der tagtäglichen Arbeit mit Sterbenden nannte Frau Stammkötter neben der professionellen Hilfe wie Supervision auch die einfachen, kleinen Rituale: „Ich wasche mir erst einmal die Hände, wenn ich nach Hause komme, um die Sorgen, die Traurigkeit symbolisch abzustreifen“. Kraft bekomme sie auch durch einen Spaziergang an der frischen Luft, die Sauna, Ski oder Mountainbike fahren, kurz: „durch Leben, Lieben, Lachen“. Entscheidend sei hier, dass man sich seiner Kraftquellen bewusst werde. Kurzerhand machte sie deshalb auch eine Umfrage bei den Schüler/innen, nach deren Kraftquellen im Umgang mit täglichen Herausforderungen.

Weitere Fragen von den Schüler/innen bezogen sich auf die Beziehung zwischen dem Sterbenden und dem Begleiter, nach letzten Wünschen und schönen Momenten und auch auf die Haltung zur Sterbehilfe, die, so betonte Frau Stammkötter, zu den schwierigsten Fragen zählt. Ihr größter Wunsch als Hospizbegleiterin sei es, dass ein echtes Netzwerk für die Hospiz- und Palliativversorgung gewährleistet werde, so dass jeder zuhause sterben kann.P1010608

Mit dem Song „Das Leben Ist Schön“ von Sarah Connor, der mittlerweile auf vielen Beerdigungen gespielt werde, schloss die Sterbebegleiterin das wirklich interessante Gespräch: „Das Leben ist schön, auch wenn es vergeht. Und wenn ihr schon weint, dann bitte vor Glück.“ – Erstaunlich, dass ausgerechnet das Glück zentrales Schlagwort des Expertengesprächs mit einer Hospizbegleiterin war!

 

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