Zeitungsbericht: Reise nach Gulu

Der neue Bischof von Gulu und Kitgum im Norden Ugandas heißt Sabino

Im Oktober ist eine Delegation aus Münster und Warendorf nach Gulu im Norden Ugandas gereist, um an der Bischofsweihe des neu ernannten Weihbischofs Father Dr. Sabino Odoki teilzunehmen. Der neue Bischof ist dem Augustin-Wibbelt-Gymnasium freundschaftlich verbunden: seit etlichen Jahren setzt sich das AWG für die Belange der Menschen in Gulu ein und Sabino hat die Schule fast jährlich besucht, um Bericht zu erstatten. Als Geschenk zur Bischofsweihe hatte Frau Schmitz-Hövener, Lehrerin am AWG, neben vielen persönlichen Glückwünschen einen Krankenwagen im Gepäck; das Geld für diesen geländegängigen Wagen hatte das AWG im letzten Sommer bei einem Sponsorenlauf zusammengelaufen. Er soll die Arbeit der Medizinstation in St. Mauritz Obiya Palaro unterstützen und Kranke, denen vor Ort nicht geholfen werden kann, durch den Busch zum nächsten Krankenhaus transportieren. Die Aufschrift auf dem Fahrzeug lautet: Apwoyo (Frieden) – sponsored by Augustin-Wibbelt-Gymnasium Warendorf.

Die Bischofsweihe im krisengeschüttelten Gulu war ein großartiges Erlebnis. Der Erzbischof von Gulu, John Baptist Odama, begann seine Predigt mit den Worten: “God  loves you, we are not the victims of war, we are the survivors” Diese positive Einstellung der Menschen nach einem brutalen, fast 20 Jahre dauernden Bürgerkrieg ist in Gulu überall zu spüren; der neue Bischof, ein Acholi wie die Menschen im Distrikt Gulu, wurde den ganzen Tag gefeiert. Der Gottesdienst mit ca. 6000 Menschen unter freiem Himmel dauerte von 10 bis fast 15 Uhr, und dabei war keine Minute langweilig, denn Afrikaner beten mit allen Sinnen, es wird getanzt, gesungen, geklatscht und getrommelt. Im Anschluss an den Gottesdienst gab es dann für die vielen Menschen etwas zu essen, Reis und Bohnen – es erinnerte an die wunderbare Brotvermehrung, irgendwie wurden alle satt. Dann wurden dem neuen Bischof Geschenke gebracht: Kühe, Ziegen und Hühner. Immer wieder wurde getanzt und getrommelt, die traditionellen Ugandischen Tänzer und Krieger fanden kein Ende…

Nach einem fast 20 jährigen Bürgerkrieg finden seit dem Sommer Friedensgespräche in der südsudanesischen Stadt Juba statt. In Gulu ist die Aufbruchstimmung schon fast euphorisch, obwohl selbst mit einem evtl. Friedensschluss die Probleme im Norden des Landes keineswegs gelöst wären. Die deutschen Besucher haben ein IDP (internally displaced people = Flüchtlinge im eigenen Land) Flüchtlingscamp besucht: 30000 und mehr Menschen sind dort zusammengepfercht, Hütte and Hütte, bis zu 10 Menschen leben in einer kleinen Rundhütte, meist ohne jede Wasserversorgung. Die Menschen sind zudem abhängig von den Nahrungsmittellieferungen vom World Food Programme; sie sind zur Passivität verurteilt. Wenn die Regierung ihre Pläne durchsetzt und angesichts der Friedenshoffnung die Menschen zur Räumung der Camps bis zum Ende des Jahres zwingt, dann wird es im Chaos enden und eine Hungersnot ist vorprogrammiert, denn die Menschen sind in keiner Weise auf diesen Massenexodus vorbereitet.

Vom neuen Bischof Sabino Odoki erwarten die Acholi viel; auf einer der Kuchen, die ihm zur Bischofsweihe geschenkt worden sind, stand geschrieben: „For the new Bishop, may God help him to save Uganda“. Sabino ist sich der schweren Bürde des neuen Amtes sehr bewusst und bittet seine Freunde in Deutschland, weiter für ihn und sein Volk zu beten.

Das Augustin-Wibbelt-Gymnasium wird auch in Zukunft das Projekt St. Mauritz Obiya Palaro nach Kräften unterstützen, denn es ist zu erwarten, dass aufgrund der politischen Entwicklungen viele Menschen neu nach Obiya Palaro kommen und in das dörfliche Entwicklungsprogramm aufgenommen werden wollen. Dort finden sie Schulen, Pumpen für sauberes Wasser und eine gut arbeitende Medizinstation. Außerdem kümmern sich drei Ordensschwestern um das Projekt Obiya Palaro, das dem neuen Bischof so sehr am Herzen liegt. Das nächste konkrete Projekt, das das AWG nach Absprache mit Sabino in Angriff nehmen will, ist eine Grundausstattung für die mittlerweile drei Schulen in Obiya Palaro, an denen ca 1500 SchülerInnen lernen; es gibt keine Bänke und keine Bücher – für Schüler hier undenkbar und eine gute Motivation, sich weiter für das Projekt im Norden Ugandas einzusetzen. Ob der neue Bischof das AWG auch in Zukunft besuchen kann, bleibt abzuwarten, aber Sabino selbst hat es für den nächsten Sommer erstmal wieder in seinen Terminkalender geschrieben.

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